Abhauen
14. Jan 2010 um 10:38 | Hans
Manchmal überlege ich mir, ob ich nicht einfach alles hinwerfen sollte. Den Job und damit auch den Streß mit den Kollegen. Die Ehe, die ständigen Rangeleien mit den Kindern, die Nachbarn, das Leben überhaupt. Einfach „Zigaretten holen gehen“, das letzte Gehalt abheben und von einer Sekunde zu anderen verschwinden.
Ich glaube nicht, dass man mich vermissen würde. Eine kurze Zeit gäbe es Betroffenheit, dann vielleicht Unsicherheit über meinen Verbleib, ein paar Spekulationen und dann nichts mehr.
Die Kinder wären sowieso versorgt, die Kollegen kommen besser ohne mich aus und ich, ich könnte irgendwo neu anfangen. Ich habe es einfach satt, gegen alles und jeden kämpfen zu müssen. Jeden Tag wieder gegen den Strom schwimmen und jeden Tag wieder keine Lust zur Arbeit und keine Lust heim zu kommen. Das Leben fühlt sich zäh wie ein Brei an, in dem ich zu ersticken drohe.
Einfach tschüß sagen und den nächsten Flieger irgendwohin nehmen. Dort aussteigen, eine kleine Pension suchen, vielleicht ein bisschen Arbeit, ein paar Kontakte aufbauen und weg. In Frankreich und Spanien gibt es alte verlassene Bauernhöfe, die man einfach so besetzen und wieder bewirtschaften kann. Aussteigen aus diesem klemmenden Allerlei, dieser Enge.
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Kommentar/e
Leider habe ich erst heute gesehen, dass es hier den Ersten Eintrag gibt.
Aber das hält mich jetzt nicht vom Kommentieren ab.
Abhauen - naja, wer möchte das manchmal nicht, so als ersten Impuls auf Stress oder eingefahrene Situationen.
Aber wer wegrennt, rennt nicht nur einmal weg, sondern immer und immer wieder.
Schau, der Mensch ist nicht dafür geschaffen, um als Eremit zu leben.
Es wird immer und überall Mitmenschen geben, vielleicht wieder einen Partner, wieder Kollegen, wieder Kinder(wobei dann noch die Frage im Raum steht, ob Du wirklich bereit bist, den Rest Deines Lebens Deine Kinder zu verleugnen oder auf sie zu verzichten). Aussstegen aus dem, was ist, kann eigentlich nur jemand, der mit sich und der Welt im Reinen ist und alles geklärt hat.
Stress mit Kollegen, ist ebenso nie einseitig, wie der Stress zu Hause mit Kindern und Frau.
Es gilt, diese Dinge zu lösen, und dazu braucht es als Allerallererstes einen Spiegel, ind dem man sich selbst betrachtet und sich fragt, wo der eigene Anteil an Schuld ist, dass die Situationen so unerträglich sind.
Weisst Du, es ist nämlich so, dass Kollegen, Kinder, Frau, Nachbar, nur Reaktionen zeigen. Sie reagieren alle auf das, was Du tust, bist und sagst.
Mach mal die Probe aufs Exempel. Reagiere einfach mal auf eine immer wiederkehrende Sache ganz anders, als alle das erwarten.
Wenn die Kinder streiten, sag ihnen, sie sollen sich sofort Jacke und Schuhe anziehen, Du ziehst Dich auch an und dann geht ihr gemeinsam an die Luft, lauft zackig eine Runde und dann geht es wieder rein.
Da beruhigen sich Gemüter und dann geh die Diskussion ruhig an.
Ist nur ein Beispiel.
Weisst Du, es ist nicht so, dass die Situationen eingefahren sind, sonder es ist so, dass Alle, auch Du, zugelassen hast, dass die Situationen eingefahren sind.
Jedes Leben ist ein Kampf, auch das Leben als Aussteiger wird Dich zum Kampf zwingen.
Viel Glück!
Viola. - 17. Jan 2010 - 09:48
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da bin ich ganz der Meinung von Viola und habe das auch selbst so erlebt .Ich bin in unser Städtle gefahren und habe jeden bewusst angesehen und angelächelt und ich war verwundert übder die positiven Reaktionen . Fast alle lächelten zurück; einige schauten erstaunt ,aber Niemand machte mich blöd an . Ich habe diesen Selbstversuch gemacht ,weil mir viele meiner Bekannten erzählt haben das ich wie eine Angeberin durch die Gegend laufe und gefühllos rüberkomme . Wer mich näher kennt weiß das das nicht stimmt , ich habe mich mit dieser Maske geschützt.
Erst viele Jahre später habe ich dann diesen und viele andere Selbstversuche gemacht und bin erstaunt über die Reaktionen der Menschen .
Mach den ersten Schritt und weitere werden folgen und lass dich nicht unterkriegen , denn weglaufen hilft dir auch nicht weiter .
auch von mir viel Glück
Hella - 17. Jan 2010 - 11:07
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Du würdest nur ausschliesslich vor dir selber weglaufen. Ich würde dir aber raten, eine Gesprächs-Therapie und anschliessend eine Verhaltenstherapie ins Auge zu fassen. Es kann sein, dass du auf dem besten Weg in eine Depression bist, oder an eine Art Überforderung deiner Kräfte? Aber deine Einstellung und Sichtweise muss einen anderen Weg nehmen, damit du erkennst, was wirklich abgeht! AUch würde ich versuchen, etwas zu suchen nur für Dich allein, was dich aufstellt und Kraft gibt...
GlG Brigida
Brigida - 17. Jan 2010 - 12:22
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Das alles hört sich auf der einen Seite gut an, hört sich an, wie das Lied von Udo Jürgens, bei dem mir immer die Tränen kommen, weil ich manches Mal auch denke, - komm lass alles hinter dir und fange von vorne an. -
Aber wie sieht das in der Wirklichkeit aus, kann man das tatsächlich machen?
Ich weiß nicht, ich habe den Mut nicht dazu, OK, ich bin eine Frau und du ein Mann, Männer denken und handeln anders als Frauen.
Aber frag dich ehrlich, willst du das wirklich?
Gibt es keine anderen Lösungsmöglichkeiten?
Vielleicht ein Gespräch mit den Kollegen, oder eine kleine Familiensitzung, um gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Und einfach auch mal ehrlich zu sich und anderen sein, in dem man ihnen sagt, was man fühlt und wie es einem geht?
Denke doch darüber mal nach.
Und überlege dir auch, stimmt das wirklich, dass dich keiner vermissen würde. Wenn vielleicht nicht die Kollegen, aber sicherlich deine Frau und deine Kinder. Sie werden nicht nur spekulieren und nur kurze Zeit an dich denken, sie werden immer mit der Angst leben, dass dir was passiert ist und sich immer fragen, warum du auf einmal verschwunden bist. Ich glaube nicht, dass du das willst.
Sicherlich ist das Leben nicht immer einfach und in der heutigen Zeit sicherlich schon gar nicht mehr am Arbeitsplatz, aber ich denke es gibt für alles eine Lösung.
Wenn du einen guten Freund hast, dann rede doch mal mit ihm darüber, oder begibt dich in professionelle Hände, wie einen Psychologen. Möglichkeiten gibt es genug und alle Türen stehen dir offen.
Ich drücke dir die Daumen, dass du die richtige Entscheidung für dich und alle Betroffenen finden wirst und dass es dir bald seelisch wieder gut geht.
menzeline - 17. Jan 2010 - 18:51
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Hört sich schon SEHR verlockend an und ich denke, daß fast jeder sich mal kurz überlegt hat, einfach alles hinzuwerfen...
Das Problem an der Sache: Du nimmst DICH ja mit und somit ändert sich ja nichts.... Vor Dir selber kannst Du nicht davonlaufen und mal ehrlich: Würdest Du wirklich ohne Deine Kinder sein wollen???
Was machst Du, wenn Du dann in Deinem Bauernhof sitzt und alles irgendwie so ist wie hier auch?? Ärger mit Nachbarn, vielleicht hast Du eine neue Frau an Deiner Seite, mit der es dann auch immer mal wieder Krach gibt.... Dann wirfst Du wieder alles hin und ziehst weiter???
Beiß Dich durch, laß Dir helfen, such Dir einen guten Theraoeuten, mit dem Du über alles reden kannst--- DU mußt Dich ändern - Deine Umwelt wirds nicht tun...
Ich wünsch Dir viel Kraft dazu!
Jeanie - 17. Jan 2010 - 19:54
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Ach Hans, ich kann Dich gut verstehen.
Ich habs gemacht. Ich bin ausgebrochen und weg.
Ich würde sehr gerne die Zeit zurückholen, wenn ich es nur irgendwie könnte.
Ich bereue das mittlerweile sehr.
Diese Schuldgefühle, an manchen Tagen kaum zu ertragen.
Versuch, es anders zu lösen. Eheberatung, Familiehilfe, Einzeltherapie.usw.
mag ich nicht nennen - 21. Jan 2010 - 21:59
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@ mag ich nicht nennen:
Magst Du hier darüber schreiben? Ich richte Dir gern einen Zugang ein.
Enfach eine Email an "admin ät wintertraenen Punkt de" senden. Die Anleitung zum System findest Du oben rechts unter dem Menüpunkt "Tutorial".
Ich würde mich sehr freuen, über Deine Erfahrungen zu lesen.
Admin - 22. Jan 2010 - 05:07
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