Wintertränen
Archiv Monat April 2010

Die Trauerfeier

02. Apr 2010 um 19:14 | Engel13 | Kommentar schreiben - 3

Die Trauerfeier ist nun fast ein Woche her. Es war sehr traurig und fast nicht auszuhalten. Kinder, die vor Trauer und Verzweiflung weinen, Kinder, die vor Zorn nicht weinen können, Kinder, die zu klein sind um überhaupt zu begreifen was passiert ist und noch keine Tränen haben. Eine Mutter, die so fassungslos ist, dass es schwer fällt ihr Halt zu geben. Geschwister, die es einfach nicht fassen, verstehen, glauben.
Vor uns steht ein anonymer Sarg, geschmückt mit Blumen, umgeben von Kerzen und vor Kopf steht ein Bild meiner Schwester.
Der Sarg fühlt sich kalt an. Es geht nicht in meinen Verstand, dass in ihm meine Schwester liegen soll, dass sie nicht mehr lebt, dass sie bis zur Unkenntlichkeit entstellt worden ist. Die meisten Menschen (der Maler aus dem Haus, die Polizisten vom Tatort, die Notärztin, der Angestellte beim Bestatter), die meine Schwetser nach der Tat gesehen haben, brauchten nachher psychologische Betreuung.
Jeder hat uns davon abgeraten, dass wir uns unsere Schwester nochmal ansehen. Wir können uns die Brutalität einfach nicht vorstellen, mit der mein Schwager meine Schwester getötet hat, es macht so unglaublich wütend und traurig. Und was einem dann noch so richtig den Rest gibt, ist, wenn ein Kripobeamter sagt, nach einem heftigen Streit hätte meine Schwester mit einem Angriff rechnen müssen. Na klar, wenn ich mit meiner Frau streite gehe ich auch davon aus, dass sie mich jeden Moment mit einer Bierflasche niederschlägt und dann mit zwei mitgebrachten Messern, wie irre, auf mich einsticht.
Und immer wieder erfasst mich eine tiefe Traurigkeit und ich muss weinen. Die Kirche ist mit trauernden Mensch gefüllt, es sind so viele, dass es ergreifend ist.
Dann heißt es Abschied nehmen, ein letztes Mal am Sarg vorbei gehen. Nachdem die Trauernden der Familie konduliert haben, leert sich die Kirche, das war es. Doch dann passiert etwas sehr "schönes". Dafür muß man wissen, dass wir eine nicht einfache Familie sind, die so ihre Probleme auch im Miteinander hat, die sich auch nicht immer ganz einig ist.
Wir Geschwister und meine Mutter waren uns wortlos einig, dass wir meine Schwester auf ihrem letzten Weg aus der Kirche begleiten. Diese Geschlossenheit, dieser Zusammenhalt hat mich zutiefst berührt. Die Menschen vor der Kirche standen unwillkürlich wie im Spalier, in der Mitte vor dem Kirchenportal der Leichenwagen mit geöffneter Hecktür. Dann ging es schnell, viel zu schnell und der Sarg war im Wagen und fuhr mit meiner Schwester weg für immer.
In einigen Tagen wird dann im engsten Familienkreis die Urnenbestattung statt finden.

Danke für die Unterstützung und den Trost von Freunden, Bekannten und fremden Menschen.
Und einen ganz dicken DANK an meine Frau, die genauso betroffen und fassungslos ist wie ich, die Schlafstörungen und Angst hat, die trotz ihrer Schmerzen und Arbeit immer für mich da ist. Ich liebe Dich und bin froh, dass Du an meiner Seite bist.