Archiv Monat March 2010
Das Unfassbare
26. Mar 2010 um 16:37 | Engel13 | Kommentar schreiben - 5
Bis Montag um drei war meine kleine Welt noch in Ordnung. Das Telefon klingelt und ich gehe ausnahmsweise mal dran, es ist meine Schwägerin, ich muß da zu sagen sie ist Pastorin und Notfallseelsorgerin. Sie war ganz kurz angebunden und wollte so bald wie möglich, dass ihre Schwester sie zurück ruft, auf dem Handy. Auf meine Frage, ob was passiert wäre, sagte sie nur, wir reden später. Und damit begann eine unerträgliche Unruhe und Zeit des Wartens, es war noch eine Stunde bis meine Frau nach Hause kommen würde. Mir gingen alle mögliche Dinge durch den Kopf: Es ist was mit den Kindern passiert, mit ihrem Vater, irgendwas bei meiner Schwägerin. Bauchschmerzen und Gedankenkarussel waren die Folge. Ich ging noch mal zur Post und wartete auf meine Frau. Als diese nach Hause kam, rief sie auch direkt bei ihrer Schwester an.
Das Grauen nahm seinen Lauf, es ging gar nicht um die Familie meiner Frau, sondern um meine eigene. Meine Schwägerin war in der Funktion als Notfallseelsorgerin bei meiner Schwester im Haus, um die Kinder, fünf, zu betreuen. Etwas Unfassbare ist geschehen: Mein Schwager hat um 10:30 Uhr meine Schwester ermordet. Ich will gar nicht ins Detail gehen, aber soviel, die Tat war grauenhaft und meine Schwester hat in ihren letzten Lebensminuten sehr gelitten. Und meine Welt ist in wenigen Minuten aus den Fugen geraten. Schock, Trauer, Wut, Gelähmtheit, Unfassbarkeit machten sich breit. Wie konnte sowas nur passieren, was hat meinen Schwager dazu getrieben, den Kindern Mutter und Vater, uns Geschwistern die Schwester und meiner Mutter die Tochter mit einem Schlag auf so grausame Art zu nehmen?
Aber es soll noch schlimmer kommen.
Beim Durchsuchen des Hauses sind Hinweise aufgetaucht, die darauf schließen lassen, dass er die Tat geplant hat und nicht im Affekt gehandelt hat. Macht es das ganze schlimmer? Für mich ja!
Er hat die Tatwaffen von zu Hause mit genommen.
Es sind Briefe und Dokumente auf getaucht, die zwei Wäschkörbe füllen, die auf erhebliche finanzielle Probleme deuten.
Und so wie es aussieht gab es auch Probleme in der Ehe, obwohl die Kinder sagen, dass die Beiden sich gerade wieder zusammen gerauft haben.
Das Geschehene wirft Fragen über Fargen auf, von denen manche wohl nie eine Antwort bekommen.
Nicht nur die Kinder fragen an erster Stelle: WARUM?.
Meine Schwester war eine sehr engagierte Frau: in der Kindertagespflege, in der Schule, in der Politik. Und sieh war noch zu jung um zu sterben, sie war erst 43.
Und nun heißt es Morgen um 11:00 Uhr Abschied nehmen von einer Frau, die viel zu früh aus dem Leben gerissen wurde.
Ich habe Angst vor dieser Trauerfeier.
Ich kann nicht mehr, später mehr.